WEEK 5
13.10.26
@
Sofi Stadium
Los Angeles,Kalifornien

Hoffnung ist der erste Fehler

Der 8. Dezember 2024.

Josh Allen wirft für 342 Yards und drei Touchdowns, läuft für weitere 82 Yards und drei Scores und wird damit zum ersten Spieler der NFL-Geschichte, der in einem Spiel drei Passing- und drei Rushing-Touchdowns erzielt.

Und verliert.

44:42 Rams.

Matthew Stafford wirft für 320 Yards, Puka Nacua fängt zwölf Bälle für 162 Yards und einen Touchdown, Kyren Williams läuft für 87 Yards und zwei Scores – und irgendwo dazwischen entscheiden beide Mannschaften kollektiv, dass Defense an diesem Nachmittag eher als unverbindliche Empfehlung zu verstehen ist.

Knapp zwei Jahre später treffen Buffalo und Los Angeles wieder im SoFi Stadium aufeinander.

Monday Night Football.

Josh Allen gegen Matthew Stafford.

3–1 gegen 2–2.

Und während vermutlich niemand ernsthaft eine exakte Neuauflage dieses 86-Punkte-Fiebertraums erwartet, besitzen beide Mannschaften weiterhin mehr als genug offensive Qualität, um Defensive Coordinatoren um ihren Schlaf zu bringen.

Die Vorzeichen sind allerdings etwas andere.

Buffalo startete mit drei Siegen, kassierte am vergangenen Wochenende beim 26:29 gegen New England aber die erste Niederlage der Saison. Die Rams wiederum drehten in Philadelphia einen 10:20-Rückstand und gewannen 24:20 – obwohl sie zwischendurch erneut ziemlich ambitioniert daran arbeiteten, ein eigentlich gewinnbares Footballspiel möglichst kompliziert zu gestalten.

Sieben Strafen für 100 Yards.

Zwei Stafford-Interceptions.

Ein 41-Yard-Punt-Return gegen sich.

Ein verschossenes Field Goal.

Ein Kickoff ins Aus.

Und trotzdem gewonnen.

Andere Mannschaften nennen das „Winning ugly“, bei den Rams ist es inzwischen eher Corporate Identity.

Schauen wir also darauf, was am Montagmorgen deutscher Zeit auf uns zukommt.

Über die Buffalo Bills

Division: AFC East
Record: 3–1
Standing: 1st
Head Coach: Joe Brady
Defensive Coordinator: Jim Leonhard

Key Player: QB Josh Allen, RB James Cook III, TE Dalton Kincaid, WR Keon Coleman, WR DJ Moore, WR Khalil Shakir, EDGE Greg Rousseau, EDGE Bradley Chubb, LB Terrel Bernard, CB Christian Benford

Buffalo ist auch nach der ersten Niederlage weiterhin eines, ja vielleicht sogar das gefährlichste Team der AFC.

Und dabei befinden sich die Bills in einem kleinen Umbruch.

Joe Brady ist vom Offensive Coordinator zum Head Coach aufgestiegen. Defensiv übernahm Jim Leonhard und installierte eine aggressivere Unit mit variableren Fronts und deutlich mehr Möglichkeiten, den Quarterback vor dem Snap darüber nachdenken zu lassen, woher der nächste Rusher eigentlich kommen soll.

Das Grundprinzip ist relativ einfach: Chaos erzeugen.

Ungünstigerweise hat Buffalos Defense in den ersten vier Wochen gelegentlich bewiesen, dass Chaos keine Exklusivrechte kennt.

Die Offense

Man könnte bei einer Bills-Preview natürlich versuchen, zunächst über irgendjemand anderen zu sprechen. Vielleicht über RB James Cook, vielleicht auch über Dalton Kincaid oder Keon Coleman, aber sind wir mal ehrlich, am Ende landen wir sowieso hier: Bei QB Josh Allen.

Nach vier Spielen stehen für Buffalos Quarterback:

1.039 Passing Yards
66,4 % Completion Percentage
8,7 Yards pro Attempt
6 Passing Touchdowns
3 Interceptions
100,1 Passer Rating

Für sich genommen schon ordentlich aber da kommen noch 118 Rushing Yards und sieben Rushing Touchdowns dazu.
Sieben! Nach vier Spielen.
Josh Allen hat aktuell als Quarterback mehr Rushing Touchdowns als die komplette Rams-Offense Rushing Touchdowns produziert hat.

Das Problem bei Allen war und ist nie nur sein Arm.
Es ist die Tatsache, dass ein defensiv eigentlich erfolgreicher Spielzug noch lange nicht beendet sein muss.

Coverage stimmt?
Allen läuft.

Edge Rusher gewinnt sein Matchup, schießt aber außen vorbei?
Allen läuft.

Pocket kollabiert?
Allen läuft.

3rd & 4 an der Goal Line?
Allen läuft wahrscheinlich sowieso.

Deshalb wird gegen Buffalo nicht nur entscheidend sein, ob die Rams Pressure erzeugen, sondern vor allem wie.

Chris Shula war gegen Philadelphia extrem aggressiv und wurde dafür belohnt. Die Rams-Defense hielt die Eagles bei 172 Total Yards und unglaublichen 0 von 12 bei Third Downs. McVay lobte anschließend ausdrücklich Shulas aggressives Playcalling.

Gegen Allen muss diese Aggressivität allerdings kontrolliert bleiben.

Blindes Hinterherlaufen ist gegen ihn keine Pressure-Strategie. Es ist eine Einladung.
Und während man all seine Ressourcen darauf verwendet, den 110-Kilo-Quarterback davon abzuhalten, Linebacker zu überspringen, steht hinter ihm noch James Cook.

Der hat bislang:
70 Carries
421 Yards
6,0 Yards pro Carry
3 Touchdowns.

Als Team kommt Buffalo auf 5,0 Yards pro Lauf, die Rams auf 4,8.

Damit treffen am Montag zwei der bislang effizientesten Rushing Offenses der Liga aufeinander.
Und genau darin liegt die eigentliche Schwierigkeit beim Verteidigen dieser Bills.
Mit leichten Boxes lädt man Cook ein. Packt man zusätzliches Personal nach vorne, öffnen sich Räume für Kincaid und Shakir.
Und schafft man es irgendwie, beides gleichzeitig zu verteidigen, trägt Nummer 17 den Ball eben selbst.

Defensive Coordinators lieben solche Aufgaben vermutlich.

Buffalos Passing Game verteilt sich dabei erstaunlich breit.

Dalton Kincaid: 270 Yards
Keon Coleman: 217 Yards
DJ Moore: 178 Yards
Khalil Shakir: 176 Yards.

Eine klassische Target-Monokultur existiert nicht, was Allen enorm hilft.
Kincaid attackiert Seam Routes und Räume hinter den Linebackern, Shakir arbeitet hervorragend im Short- und Intermediate-Bereich, DJ Moore bringt YAC und Explosivität mit und Coleman lieferte gegen New England sein bisher bestes Saisonspiel:

6 Receptions, 116 Yards, 1 Touchdown.

Interessant ist dabei besonders Kincaid. Gegen New England bekam er lediglich zwei Targets. Buffalo hat bereits öffentlich erkennen lassen, dass man seinen Tight End wieder stärker in die Offense einbinden möchte.
Sollte der Gameplan am Montag also überraschend häufig über Kincaid laufen, dürfen wir alle sehr überrascht gucken.

Eine weitere Zahl zeigt allerdings auch, dass bei Buffalo zuletzt etwas Sand ins Getriebe gekommen ist.
Während die Bills-Offense in den ersten beiden Spielen noch 3,67 Punkte pro Drive produzierte waren es in den vergangenen beiden Partien nur noch 2,27.
Über die gesamte Saison liegt Buffalo mit 2,95 Points per Drive trotzdem noch auf Rang drei der NFL.
Das ist vielleicht die beste Beschreibung dieser Offense:
Sie spielt seit zwei Wochen nicht besonders sauber und ist trotzdem noch eine der effizientesten Units der Liga.

Die Defense

Hier wird die Sache für die Rams deutlich interessanter, denn es ist klar: Buffalo hat defensiv genügend individuelle Qualität, um Spiele zu entscheiden. Als komplette Unit funktioniert das Ganze bislang aber erstaunlich inkonstant.

Nach vier Spielen stehen:

1.489 zugelassene Total Yards
1.096 zugelassene Passing Yards
7,5 Yards pro gegnerischem Passversuch
10 zugelassene Passing Touchdowns
nur 2 Interceptions.

Gegner verwandeln außerdem 40,7 Prozent ihrer Third Downs.
Noch schöner wird es bei Fourth Down: 6 von 7. 86 Prozent.
Eine Sample Size, über die man selbstverständlich diskutieren kann.
Man könnte allerdings auch einfach vermeiden, dem Gegner sechs von sieben ausgespielten vierten Versuchen zu erlauben.

Gegen New England kassierte Buffalo 405 Yards und 29 Punkte. Drake Maye warf für 269 Yards und drei Touchdowns.
Und die Schwäche liegt nicht zwangsläufig darin, dass Buffalo keinen Druck erzeugen kann. Im Gegenteil.

Jim Leonhard erklärte diese Woche, dass Pass Rush und Coverage bislang schlicht zu selten gleichzeitig funktionieren.
Vorne gewinnt jemand – hinten ist ein Receiver frei.
Hinten hält die Coverage – vorne kommt der Rush nicht rechtzeitig.
Der größte individuelle Problemfall für die Rams heißt dabei: Greg Rousseau.

Sechs Sacks.
Drei Forced Fumbles.
Acht Tackles for Loss.
Dazu bereits 16 Quarterback Hits.

Neben ihm kommt Bradley Chubb auf weitere 1,5 Sacks und gehört ebenfalls zu den besseren Pressure-Produzenten der Liga.
Es wäre daher empfehlenswert, Matthew Stafford etwas Zeit zu verschaffen.
Nicht zuletzt deshalb, weil Stafford bei zu wenig Zeit gelegentlich Lösungen findet, die technisch betrachtet auch dem Gegner helfen.

Seine Bilanz nach vier Spielen:
1.189 Passing Yards
6 Touchdowns
6 Interceptions
80,5 Passer Rating.

Sechs Interceptions in vier Spielen.
Das Faszinierende daran ist, dass Stafford dazwischen weiterhin Würfe produziert, bei denen man sich fragt, warum überhaupt jemals jemand an seinen Fähigkeiten gezweifelt hat.
Und wenige Minuten später wirft er einen Ball, bei dem man sich fragt, ob er spontan beschlossen hat, den gegnerischen Safety in den Gameplan einzubauen.
Gegen Philadelphia waren es erneut zwei Picks.
Der zweite kurz vor der Halbzeit schenkte den Eagles ein kurzes Feld und führte praktisch unmittelbar zum 20:10.

Die Rams haben schlicht nicht mehr genügend Marge, um solche Fehler gegen Josh Allen zu überleben.
Doch eigentlich ist dieses Matchup offensiv verdammt attraktiv. Vor allem aus zwei Gründen:

Buffalo erlaubt viele Yards durch die Luft.
Und die Rams haben zufällig zwei Receiver, die damit etwas anfangen können.

Puka und Davante

Puka Nacua ist zurück.
Falls daran nach seiner Hüftverletzung noch Zweifel bestanden haben sollten, hat er sie in Philadelphia relativ deutlich beseitigt:

9 Catches.
125 Receiving Yards.
1 Rushing Touchdown.

Er spielte nicht wie jemand, der langsam wieder in eine Offense integriert wird, er spielte wie Puka.
Daneben steht Davante Adams.
22 Receptions.
390 Yards.
17,7 Yards pro Catch.
Zwei Touchdowns.

Die Rams sind bereits eines der produktivsten Passing Teams der Liga – und Buffalos eigene Analyse bezeichnet Los Angeles vor diesem Spiel als Nummer zwei der NFL im Passing.

Das Matchup ist da, die Frage ist, ob LA daraus auch Punkte macht, denn genau dort liegt bisher ein merkwürdiger Widerspruch dieser Offense.
Die Rams produzieren Yards ohne Ende, in Summe 1.668 Total Yards nach vier Spielen.
Gegner haben gegen Los Angeles gerade einmal 990 geschafft.
Das sind 678 Yards Differenz und dennoch lautet der Record: 2–2.
Das ist fast beeindruckend.

Los Angeles erreicht regelmäßig gegnerisches Territorium, liegt bei der Red-Zone-Touchdown-Effizienz aber nur bei etwas mehr als 53 Prozent – Rang 21 der NFL.

Yards sind schön, Touchdowns wären gelegentlich noch schöner.

Schweres Gerät

Noch ein kleiner Football-Nerd-Punkt für Montag:

Beide Teams lieben 13 Personnel – also Sets mit einem Running Back und drei Tight Ends.
Die Rams haben diese Formation nach vier Spielen bereits bei 82 Plays eingesetzt, Buffalo bei 61.
Platz eins und zwei der NFL.
Das ist bemerkenswert, weil 13 Personnel längst nicht mehr automatisch „wir laufen jetzt mit drei Tight Ends in die Mitte“ bedeutet.

McVay nutzt schwere Personnel Packages, um Defenses schwerer und langsamer werden zu lassen – und wirft anschließend daraus. Buffalo macht Ähnliches.
Beide Teams wollen dem Gegner suggerieren: „Bitte stellt zusätzliche Linebacker aufs Feld.“
Und antworten dann: „Danke, jetzt verteidigt mal Play Action.“
Gerade wenn die Rams ihre Tight-End-Gruppe personell einigermaßen zusammenbekommen, dürfte das ein spannendes taktisches Thema werden.

Die Rams Defense

Vier Spiele.
990 zugelassene Total Yards.
408 Rushing Yards.
615 Net Passing Yards.
Nur 4,0 Yards pro gegnerischem Play.
17 von 51 zugelassene Third-Down-Conversions. 33,3 Prozent.

Das ist verdammt guter Football.
Und gegen Philadelphia war diese Unit der Grund, warum die Rams überhaupt die Gelegenheit bekamen, ihren eigenen Unsinn zu überleben, denn die Eagles starteten mehrfach mit guter Feldposition.
Unsere Offense produzierte Turnover und die Special Teams halfen ebenfalls tatkräftig dabei, die Arbeitsbedingungen möglichst unattraktiv zu gestalten.

Und die Defense antwortete mit:

172 zugelassenen Total Yards.
0 von 12 bei Third Down.
1 von 4 bei Fourth Down.

Im letzten Drive erledigte Byron Young den Rest praktisch selbst. Zwei Sacks, einer davon Strip Sack.
Young führt LA inzwischen mit 3,5 Sacks und sechs QB Hits an.
Gegen Buffalo reicht allerdings eine Wiederholung des Eagles-Gameplans allein nicht.
Josh Allen ist wesentlich gefährlicher gegen Pressure als Jalen Hurts es zuletzt war, und Buffalos Offense ist strukturell deutlich gesünder.

Und auch im Laufspiel gibt es einen Namen, den man vor dem Matchup mit James Cook hervorheben muss:
Kobie Turner.
Turner war bislang bei 25,4 Prozent seiner Run-Defense-Snaps selbst am Tackle beteiligt – 16 Tackles bei 63 Snaps.
Unter allen NFL-Verteidigern mit mindestens 50 entsprechenden Snaps ist das Rang sechs.
Noch besser:
Bei diesen 16 Tackles verzeichnete Next Gen Stats keinen einzigen Missed Tackle.

Gegen Cook wird genau das gebraucht.

Shula muss also kreativ bleiben, ohne leichtsinnig zu werden. Pressure simulierend zeigen, Rush-Lanes diszpliniert spielen und Allen in der Pocket halten.
Und dann hoffen, dass „Josh Allen in der Pocket halten“ tatsächlich ein realistisch umsetzbarer Satz ist.

Special Teams

Willkommen zur wöchentlichen Krisensitzung

An dieser Stelle kommen wir zu einem Mannschaftsteil, über den Rams-Fans inzwischen sprechen wie andere Menschen über ihre Steuererklärung. Man weiß, dass man sich irgendwann damit beschäftigen muss, nur Freude empfindet dabei niemand.

Buffalos Special Teams sind bislang ziemlich solide.
Tommy Doman Jr. puntet für 48,6 Gross und 45,0 Net Yards. Nur drei seiner neun Punts wurden überhaupt returned.
Tyler Bass steht bei Field Goals bei 6 von 6.
Greg Dortch produziert 8,8 Yards pro Punt Return und 26,3 bei Kickoffs, Ray Davis 27,8 Yards pro Kick Return.
Nicht spektakulär - Einfach funktionierend. Welch exotisches Konzept mag man da als Anhänger von Royal and Sol denken.

Bei den Rams sieht es anders aus.
Ethan Evans:
47,6 Gross Yards pro Punt. - Eigentlich gut - 37,9 Net. Schon weniger gut.
14 Punts, acht Returns.
115 Return Yards.
Im Schnitt 14,4 Yards pro gegnerischem Punt Return.

Oder einfach gesagt:
Evans schießt den Ball beeindruckend weit aber der Gegner bringt ihn beeindruckend weit zurück.
Am Ende treffen sich alle ungefähr dort, wo man auch gleich hätte stehen bleiben können.

Noch schlimmer wird es beim Thema Field Position.
Buffalo startet seine Drives im Schnitt an der eigenen 30,9-Yard-Line – Rang 13 der NFL.
Die Rams bei der 25,9. - Rang 31.

Bei gegnerischen Drives das umgekehrte Bild:
Buffalos Gegner starten durchschnittlich an der 29,3.
Gegner der Rams jenseits der eigenen 33. Damit liegt LA auf Rang 30.

Das sind die sogenannten Hidden Yards und momentan verstecken sie sich ungefähr so gut wie ein Elefant hinter einer Zimmerpflanze.

Nach der Entlassung von Xavier Smith übernahm Alex Bachman die Returns. Gegen Philadelphia war das zunächst unspektakulär, was momentan bereits als Fortschritt durchgeht.

Harrison Mevis steht bei 5 von 7 Field Goals, verschoss gegen Philadelphia aus 48 Yards und setzte später einen Kickoff ins Seitenaus. Sean McVay formulierte es diese Woche relativ eindeutig: „We need better.“ Stimmt!

Viel besser kann man es eigentlich nicht zusammenfassen.
Und ausgerechnet gegen Buffalo könnten die Special Teams entscheidend werden.
Denn wenn man Josh Allen zusätzlich zu seiner eigenen Offense auch noch regelmäßig 7–10 Yards bessere Ausgangsposition schenkt, ist irgendwann nicht mehr die Frage, ob das bestraft wird sondern nur noch wann.

Das besonders Schöne:
Beim letzten Duell 2024 war ausgerechnet ein geblockter Bills-Punt samt Rams-Touchdown ein entscheidender Faktor beim 44:42.

Football hat Humor gefühlt jedoch häufig auf unsere Kosten.

Injury Report

Die wichtigsten Matchups

Rams Pass Rush vs. Josh Allen

Beginnen wir mit dem größten Problem. Pressure ist gegen jeden Quarterback gut.
Gegen Josh Allen kann schlecht kontrollierte Pressure allerdings sehr schnell zum Eigentor werden.
Die Rams wollen ihn bewegen aber Sie dürfen ihn nur nicht befreien. Das mag widersprüchlich klingen, ist aber genau der Punkt.
Edge Defender müssen das Contain halten und dürfen nicht blind hinter Allen vorbeischießen. Interior Rush muss die Pocket komprimieren, ohne riesige Fluchtwege entstehen zu lassen.

Je häufiger Los Angeles Allen dazu zwingt, aus einer stabilen Pocket zu werfen, desto besser.
Je häufiger das Play in improvisiertes Chaos übergeht, desto mehr verschiebt sich der Vorteil nach Buffalo.

Sollte Aaron Donald zurückkehren, wäre Interior Pressure natürlich ein Upgrade, denn Allen kann mit Edge Pressure leben.
Mit jemandem direkt vor seinem Gesicht wird es deutlich unangenehmer.

Rams O-Line vs. Greg Rousseau

Sechs Sacks.
Drei Forced Fumbles.
16 Quarterback Hits.

Rousseau ist der offensichtlichste Game Wrecker dieser Buffalo-Defense.
Die Rams haben Stafford bislang bei 162 Passversuchen nur sechsmal sacken lassen. (Buffalo hat neun Sacks zugelassen)
Das ist stark und es muss so bleiben.
Buffalo kann Pressure erzeugen, aber die Secondary hat bislang nicht zuverlässig davon profitiert.
Die Rams sollten daher alles daran setzen, genau diese Trennung zwischen Rush und Coverage aufrechtzuerhalten.

Quick Game, Screens, Chips, Motion, Play Action, Kyren als Outlet.
Und: Greg Rousseau blocken.

Puka & Davante vs. Buffalo Secondary

Hier muss LA gewinnen.
Buffalo lässt 7,5 Yards pro gegnerischem Passversuch und bereits zehn Passing Touchdowns zu.

Dazu kommt eine weitere interessante Schwäche:
Die Bills haben nach vier Wochen neun Defensive-Holding-Strafen kassiert – mehr als jedes andere Team der Liga – und bereits neun First Downs per Defensive Penalty verschenkt.

Jetzt kommen Puka Nacua und Davante Adams.
Zwei Receiver, die Route Running, Releases und Körperpositionierung ziemlich gut beherrschen.
Vorsichtig formuliert.

Gerade Adams ist seit Jahren hervorragend darin, Cornerbacks an der Line of Scrimmage in Situationen zu bringen, in denen deren letzte Verteidigungsstrategie irgendwann nur noch darin besteht, ihn festzuhalten und zu hoffen, dass der Schiedsrichter gerade woanders hinschaut.

Buffalo gegen Adams und Puka in isolierten Matchups?
Das sollten die Rams nehmen. Immer wieder.

James Cook vs. Rams Run Defense

Buffalos vielleicht einfachster Weg, dieses Spiel zu kontrollieren.
Cook produziert sechs Yards pro Carry, die Bills insgesamt fünf.
Wenn Buffalo bei Early Downs konstant fünf oder sechs Yards bekommt, wird das komplette Playbook geöffnet.

Genau dort wollen die Rams nicht hin, Ziel muss sein das die Rams Buffalo in klare Passing Downs bringen.
Nicht weil Allen bei 3rd & 8 plötzlich schlecht wäre sondern weil er bei 3rd & 2 ungefähr dieselbe taktische Flexibilität bietet wie ein Schweizer Taschenmesser mit Raketenwerfer.

Sean McVay vs. die Red Zone

Vielleicht das wichtigste Matchup, an dem Buffalo gar nicht beteiligt ist.
Die Rams bewegen den Ball. Sehr gut sogar, das beweisen auch die 1.668 Yards nach vier Spielen ziemlich deutlich.

Nur Yards gewinnen keine Spiele, Punkte tun es dagegen schon.

Mit knapp über 53 Prozent Red-Zone-Touchdown-Effizienz liegt LA nur im unteren Mittelfeld.
Gegen Buffalo reichen drei Drives bis an die gegnerische 15 und anschließend neun Punkte nicht, die Offense muss Touchdowns produzieren.

Wenn Buffalo die Rams zwingt, immer wieder Field Goals zu nehmen, gewinnt Buffalo. Was uns unweigerlich zum letzten Matchup bringt.

Rams vs. Rams

Der Klassiker.

LA hat 678 Yards mehr Offense produziert als seine Gegner.
Die Defense erlaubt vier Yards pro Play.
Die Offense läuft für 4,8 Yards pro Carry.
Stafford hat fast 1.200 Passing Yards.
Und der Record ist: 2–2.

Warum?

  1. Turnover Differential: -5.
  2. Stafford: sechs Interceptions.
  3. Sieben Strafen für 100 Yards allein gegen Philadelphia.
  4. Special Teams siehe Therapiesitzung weiter oben.

Die Los Angeles Rams besitzen genügend Qualität, um die Buffalo Bills zu schlagen, aber leider besitzen die Los Angeles Rams ebenfalls genügend Qualität, um die Los Angeles Rams zu schlagen.
Und vor allem Variante zwei ist bisher erschreckend konkurrenzfähig.

Fazit

Machen wir uns nichts vor: Buffalo ist ein sehr starker Gegner, der mit reichlich Wut vom letzten Wochenende in dieses Spiel gehen wird.

Die Bills stehen 3–1, verfügen über einen der besten Quarterbacks dieses Sports und produzieren trotz zweier offensiv eher unrunder Spiele weiterhin fast drei Punkte pro Drive – der drittbeste Wert der NFL.

Josh Allen kann dieses Spiel mit seinem Arm oder seinen Beinen entscheiden und James Cook ebenso mit seinen Beinen.

Greg Rousseau kann Stafford einen Abend lang terrorisieren.
Und wenn die Rams wie bisher Special Teams spielen, reicht wahrscheinlich auch Tommy Doman.

Aber: Dieses Matchup ist absolut gewinnbar.

Die Bills Secondary ist verwundbar, kassierte deren Defense bisher zehn Passing Touchdowns bei nur zwei Interceptions.
Rush und Coverage funktionieren bislang zu selten gleichzeitig und mit Puka Nacua, Davante Adams, Kyren Williams sowie einer Offensive Line, die Stafford bisher gut schützt, besitzen die Rams ziemlich genau die Waffen, die Buffalo unangenehm werden können.

Noch wichtiger:
Die Rams-Defense spielt bislang hervorragenden Football.
Wenn diese Unit Buffalo auf irgendetwas im Bereich von 24 bis 27 Punkten begrenzt, sollte Los Angeles genug Offense besitzen, um dieses Spiel zu gewinnen.

Sollte. Da ist es wieder. Dieses Wort.

Denn damit kommen wir zurück zum eigentlichen Kern dieser Saison: Die Rams müssen nicht plötzlich lernen, guten Football zu spielen, sie tun es bereits.
Sie müssen nur endlich aufhören, ihren guten Football durch völligen Schwachsinn zu sabotieren.
Keine zwei Stafford-Picks.
Keine 100 Penalty Yards.
Keine verschossenen machbaren Field Goals.
Keine Kickoffs ins Seitenaus.
Keine 40-Yard-Punt-Returns.
Keine kurzen Felder für Josh Allen.

Einfach vier Quarter halbwegs sauberer Football. Eigentlich kein absurder Wunsch.

Und trotzdem wird jeder Rams-Fan beim Lesen dieses Satzes gerade leise lachen.

Denn wir wissen doch alle, wie das läuft.

Irgendwann am Montagabend wird Los Angeles bei 3rd & 17 stehen, nachdem ein erfolgreicher Spielzug wegen einer Strafe zurückgenommen wurde, anschließend wird irgendetwas völlig Unnötiges passieren und irgendwo in Deutschland wird ein erwachsener Mensch um vier Uhr morgens seinen Fernseher fragen:

„WARUM?“

Aber vielleicht, nur vielleicht, ist dieses Team tatsächlich gut genug, den eigenen Wahnsinn diesmal zu überleben.

Die Rams haben Buffalo schon einmal geschlagen, obwohl Josh Allen sechs Touchdowns erzielt hat.

Ich brauche so etwas wirklich kein zweites Mal.
Mein Kreislauf auch nicht. Aber seit Philadelphia ist da leider wieder dieses Gefühl. Dieses kleine, gefährliche Gefühl, das dieses Franchise einem immer genau dann gibt, bevor man sämtliche emotionalen Schutzmechanismen verliert: Hoffnung.

Horns Up!